Familienhintergrund, Intelligenz und berufliche Zukunft – Einige Zusammenhänge nach aktuellen Studien
Wenn es schulisch-beruflich und bei der Bewältigung anderer Lebensaufgaben dauerhaft nicht so gut läuft, kommen regelmäßig Fragen nach den Ursachen auf. Spielt das familiäre und/oder soziale Umfeld eine Rolle? Sind es persönliche Besonderheiten körperlicher oder seelischer Natur, die zu den Schwierigkeiten führen? Zur Klärung macht der Vortrag mit einigen Zusammenhängen zwischen Familienhintergrund, Intelligenz und beruflicher Zukunft bekannt, die aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen anbieten. Die Ausführungen münden in Überlegungen zum pädagogischen Ertrag dieser Studien und dem Umgang mit sozialer Benachteiligung.
Video zum Vortrag: Prof. Karl-Heinz Eser

Statistik zur Lernbehinderung – wie viele Menschen gelten eigentlich als „lernbehindert“?

Es gibt in Deutschland keine offiziellen Daten oder Zählungen zur Anzahl von Menschen mit Lernbehinderung es gibt. Aber es gibt gute Schätzungen. Diese hat unser wissenschaftlicher Beirat, Prof. Karl-Heinz Eser, hier zusammengefasst. 
aktualisiert 12.12.2020

Unsere Kurzfassung:

Überlegungen zur Lebensspanne: Man kann unterscheiden zwischen „Lernbehinderung“ (sozialrechtlicher Begriff) bzw. „Lernbeeinträchtigung“ (schulrechtlicher Begriff).  So oder so; eine Lernbehinderung endet sicher nicht mit der Erfüllung der Schulpflicht. Vielmehr umfassen „Lernbehinderungen“ bzw. „Lernbeeinträchtigungen“ Beeinträchtigungen von Funktionen, die die Anpassung an Herausforderungen des alltäglichen Lebens erschweren und lebenslange Unterstützungen nötig machen.

Zahlen und Beschreibungen aus Großbritannien:
Nach dem Department of Health (2001) bedeutet „Learning Disability“, dass es schwierig ist, „neue oder komplexe Informationen zu verstehen“ und „neue Fähigkeiten zu erlernen (beeinträchtigte Intelligenz)“. Außerdem zeigt sich „eine verminderte Fähigkeit, selbstständig zurechtzukommen (gestörtes soziales Funktionieren)“. Diese Beeinträchtigungen beginnen schon vor dem Erwachsenenalter. (Quelle: Department of Health (2001): Valuing People: A New Strategy for Learning Disability for the 21st Century (S. 14). London: Department of Health. Verfügbar unter: http://bit.ly/17DUyVN [18.01.2020])

Nach den offiziellen Zahlen aus Großbritannien gelten ca. 2,5 % der jüngeren Menschen dort als „Menschen mit Lernbehinderung“. Diese Angabe ist nahezu identisch mit langfristigen deutschen Beobachtungen im Rahmen der Kultusministerkonferenz. Der Anteil von älteren Menschen liegt bei ca. 2,1 %. Daraus ergibt sich ein Gesamtanteil von ca. 2,3 % – das wären in Deutschland insgesamt ca. 1,9 Mio. Menschen mit Lernbehinderung.

Zahlen des Robert-Koch-Instituts (2015):
Dass diese Schätzungen plausibel sind, zeigt ein Blick in die nationale Gesundheitsberichterstattung des Robert-Koch-Instituts (2015, S. 133ff.): Sie sieht die Anzahl von Menschen mit einem leichten Grad der Behinderung (GdB kleiner 50) bei 2.684 Mio. oder 3,3 %. Ein bedeutender Teil dieser Kategorie dürften Menschen mit Lernbehinderung sein. (Quelle: Robert-Koch-Institut – RKI (Hrsg.) (2015). Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: Eigenverlag)

Für LERNEN FÖRDERN bedeutet das: Es gibt zwar viele Unsicherheiten bei der Schätzung, aber es ist plausibel, dass – in allen Altersklassen in Deutschland – mindestens ca. 1,8 bis 2,0 Mio. Menschen mit Lernbehinderungen leben.

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